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Beschwichtigungssignale erkennen und selbst anwenden

Der praktische Nutzen

Was bringt uns nun das Wissen über Beschwichtigungssignale?
Beschwichtigungssignale für ein besseres Verständnis

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie uns: Wenn Sie die Beschwichtigungssignale kennen,
erscheint es Ihnen, als könnten Sie in Ihrem Hund lesen wie in einem offenen Buch. Sie
erhalten zu jeder Zeit Auskunft über seine Gefühlslage. Sie sehen plötzlich, was in der
Begegnung mit anderen Hunden tatsächlich "abläuft". Sie sehen auch, wie sich andere
Hunde fühlen und welche Signale sie an ihre Besitzer senden - das ist übrigens nicht
immer schön... Vielleicht wird so manch ein Missverständnis zwischen Ihnen und Ihrem
Hund bereinigt, denn Sie wissen nun, dass es für Ihren Hund wichtiger ist, Konflikte zu
lösen und seine Menschen zu beschwichtigen, als um jeden Preis "gehorsam" zu sein.

Beschwichtigungssignale unter Hunden: höchst wünschenswert

Freuen Sie sich, wenn Sie einen Hund haben, der im Umgang mit anderen Hunden viele
Beschwichtigungssignale anwendet! Geben Sie ihm genug Freiraum, diese Signale auch
zu zeigen und beobachten Sie die faszinie-rende Bandbreite der Kommunikation, die sich
dadurch ergibt.

Beschwichtigungssignale als Informationsquellen: Situationen entschärfen

Im Umgang mit Ihnen sind die Beschwichtigungssignale wichtige Informationsquellen:

Finden Sie heraus, in welchen Situationen Ihr Hund Ihnen gegenüber Beschwichtigungssignale
anwendet! Er teilt Ihnen mit, wann es ihm unbehaglich ist und was ihn beunruhigt.

Nutzen Sie dieses Wissen, Ihrem Hund das Zusammenleben mit Ihnen noch angenehmer
werden zu lassen, indem Sie Situationen, in denen Ihr Hund beschwichtigt, bereinigen.
Wer auf Beschwichtigungssignale achtet und seinem Hund aus ihn beunruhigenden Situa-
tionen heraus hilft, kann vielen Problemen vorbeugen. Als Beispiel sei hier nur der Umgang
mit Kindern genannt: Mit Sicherheit wären viele so genannte "Beißunfälle" vermeidbar,
wenn mehr Augenmerk auf das gelegt würde, was der Hund von sich gibt: Ein Hund wird,
wenn er bedrängt wird, zunächst Beschwichtigungssignale aussenden. Werden diese
nicht beachtet und hat er keine Möglichkeit, sich aus der Situation zurück zu ziehen, wird
er als nächstes distanzvergrößernde Signale zeigen. Er knurrt dann, zum Beispiel.
Fruchtet auch dies nicht und hat er keine Chance, der Bedrängnis zu entfliehen, gibt es
für ihn nur die Möglichkeit, sich durch Schnappen oder sogar Beißen aus der Situation zu
befreien.

Aber es muss nicht gleich so dramatisch kommen. Vielleicht können Sie Ihrem Hund schon
damit einen Gefallen tun, indem Sie ihn nicht ganz so fest knuddeln, sich nicht so häufig
über ihn beugen oder ihm nicht direkt ins Gesicht schauen, wenn ihm das unheimlich ist.
Vielleicht hilft Ihnen das Wissen um die Beschwichtigungssignale auch im Training mit Ihrem
Hund. Er sagt Ihnen, wann es ihm zu viel wird, und Sie können darauf reagieren.

Beschwichtigungssignale selbst anwenden!

Calming Signals sind nicht nur Informationsquellen, auf die wir Menschen reagieren können.
Wir können sie als wichtiges Kommunikationswerkzeug auch selbst einsetzen: Begegnen
Sie einem Hund, der Ihnen gegenüber offensichtlich unsicher ist oder den Ihre Gegenwart
beunruhigt, können Sie ihn beruhigen,
indem Sie nicht direkt auf ihn zugehen, ihm nicht
direkt in die Augen schauen, sondern sich zur Seite drehen oder sogar ganz abwenden. Es
ist keine Angst oder Unsicherheit in Ihnen, wenn Sie selbstbewußt den Hund registrieren -
aber nicht ansprechen, nicht ansehen und nicht streicheln!! Der Hund wird das verstehen,
dadurch beruhigt werden und darauf reagieren. Er wird ruhiger werden, Zeit gewinnen, Sie
durch die Nase kennenzulernen und damit verringert sich oder verschwindet die Aggression
ganz, die durch Aufgeregtheit und Unsicherheit entstanden ist.

Wenn Sie selbst gähnen, kann das sogar Ihren eigenen oder einen anderen Hund beruhigen,
wenn er sich ängstigt oder unsicher ist.

Gehen Sie mit einem Hund spazieren, der ein Problem mit anderen Hunden hat, so erleichtern
Sie ihm die Begegnung mit Artgenossen, indem Sie mit Ihrem Hund gemeinsam einen Bogen
um diesen herum schlagen. Ihr eigener Hund kann damit die Distanz einhalten, die er zu
anderen Hunden braucht, und der andere Hund wird dieses Signal verstehen. Gut möglich,
dass er seinerseits mit Beschwichtigungssignalen antwortet, was die Situation weiterent-
spannt.

In ähnlichen Situationen können Sie sich auch das "Splitten" zunutze machen: Wenn Sie
zwischen Ihrem Hund und dem anderen gehen, erleichtern Sie das Aneinander-Vorbeigehen.
Gehen Sie mit zwei angeleinten Hunden spazieren, die sich nicht verstehen, so hilft es ihnen,
wenn beim Spaziergang zunächst mehrere Menschen zwischen ihnen laufen.

Die Möglichkeiten, praktischen Nutzen aus dem Einsatz von Beschwichtigungssignalen zu
ziehen, sind so vielfältig.

Geben Sie der Kommunikation mit Ihrem Hund eine Chance - und erleben Sie Ihren Hund
als Bereicherung: ein Partner, mit dem man im Dialog steht.

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